Quelle: Touristen-Zeitschrift "Ein lustiger Ausflug". Ausgabe Sommer 1992

Die Kirche zu Kleinaupa

Es gab Zeiten, wo die Einwohner aus Kleinaupa (Mala Upa) zum Gottesdienst in die Marschendorfer Kirche (Marsov) gegangen sind. Das ist eine Strapaze und damals gab es noch kein Weg dem Fluß entlang. Sie mußten über Lyseciny und Alberice gehen, oder den Bergweg über den Langen Kamm nehmen. Einmal kam dort bei dem Abschied mit einem Verstorbenen zu so einem Schneesturm, daß die Gäste die Truhe auf der Stelle stehen ließen, und zurück nach Hause kehrten. Danach fiel so viel Schnee, daß man den Sarg erst beim Schneetauen im Frühling fand. Auf dem Platz stellten die Leute ein Kreuz auf. Ich weiß nicht warum, aber man sagte zu ihm "rotes Kreuz". Ich fand das Kreuz vor Jahren in der Mitte des alten Waldes fast zerfallen. Der alte Weg existiert kaum mehr. Korpus Christi war weg, in dem Kreuzbalken blieb nur ein Nagel übrig, der einst in der Jesushand steckte. Ich trug dann den Nagel lange in der Manteltasche, damit er mir Glück bei dem Suchen nach vergessenen Menschen – und Häuserschicksale dieses Gebietes bringen könnte. Einmal kam ich wieder auf den Langen Kamm, und das Kreuz fand ich nicht mehr. Der alte Wald wurde ausgerodet, ein neuer wurde angepflanzt, ein neuer Waldweg gelegt. Und ich erinnerte mich an die Kerle, die sich vor 300 Jahren durch den Schneesturm mit dem Sarg ihres Freundes, Nachbarn oder Väter durchkämpften. Ich suchte in der Tasche des alten Mantels den Nagel aus der Jesushand, aber ich verlor ihn irgendwo. Alles verändert sich in Staub, aber etwas aus den Zeiten blieb doch. Sie wollten eine eigene Kirche haben. Vielleicht trug zu ihrer Sehnsucht auch die Geschichte des roten Kreuzes von dem Langen eine interessante Geschichte. Josef der II. bewundert, wie schön die Gebirgsgemeinde aufgebaut wurde. Die Ortsbewohner wollten aber nicht verraten, wie sie Wirtschaften, daß es ihnen gut geht. Der Thronfolger übernachtete in der Mohornmühle. Hier versprach er nach der Beratung mit dem General den Wunsch denjenigen zu erfüllen, der ihm das Geheimnis des Lebensunterhaltes der Bergbewohner von Kleinaupa verrate. Die Tochter des Müllers, Erika, fand den Mut, und erzählte dem künftigen Kaiser über das Schmuggeln, Ja, hier wurde die Ware in den Tragkörben jahrhundertelang von Schlesien geschmuggelt. Das Handwerk wurde geerbt wie anderswo, zum Beispiel das Schmiedehandwerk. Für die überraschende, aber wahre Erklärung erfüllte Josef ihren Wunsch, und ließ in Kleinaupa eine Kirche erbauen. Mit der Zeit entstand auch das Zollhaus. Das war schon nicht der Wunsch der Upa-Bewohner, aber sie widmeten sich ihrem Handwerk ruhig weiter. So beteiligte sich der bedeutende Reformator des 18. Jahrhunderts, der Kaiser Josef der II., der den Kircheneinfluß mehr unterdrückte, an dem Ausbau der Kirche in Kleinaupa. Die Einwohner erbauten die Kirche auf der einzigen geraden Fläche im Ort und dazu noch in der Mitte des Ortes. Sie bauten die Kirche zweimal auf. Die erste stand nicht lange, und wurde durch einen Blitz ausgebrannt. Die zweite, die den Aposteln Petrus und Paulus gewidmet wurde, bauten sie wunderschön auf. In den 200 Jahren, wo sie hier steht, erfreute ihre Silhouette schon eine Menge Leute. Ein schlichtes Interieur entspricht dem rauhen Gebirgsmillieu. Auf dem Chor kann man grob gezimmertes Geländer oder das Kaiserwappen des Josef der II, über dem Altargewölbe bewundern.


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